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Seidengarn: was die Faser im Knäuel leistet

Seide wurde einst über ganze Kontinente gehandelt, und der Grund ist einfach: Keine andere Faser verbindet Glanz, Festigkeit und Kühle so wie sie. Beim Stricken übernimmt Seide drei Aufgaben gleichzeitig — sie gibt dem Stoff einen fließenden Fall, lässt Farben tief und leuchtend wirken und fühlt sich auch an heißen Tagen kühl auf der Haut an. Wenn Sie sicher sind, dass Sie das wollen, starten Sie direkt in der Kategorie Seide; wenn Sie zuerst die Unterschiede verstehen möchten, bleiben Sie hier.

Was Seide Ihrem Strickprojekt gibt

Ein Seidenfaden ist glatt, lang und reißfest: Der daraus gestrickte Stoff neigt kaum zum Pilling, fällt wunderbar und hält jahrelang. Seide reguliert außerdem Feuchtigkeit gut — sie nimmt sie auf und fühlt sich dabei trocken an, weshalb ein Seidentop angenehm ist, wenn das Wetter zwischen warm und kalt wechselt. Wie jede Naturfaser ist Seide nicht dehnbar, der Stoff wächst mit der Schwerkraft: ideal für Tücher, Tops und alles, was fließen soll, weniger ideal für Bündchen, die zurückfedern müssen. Und anders als Wolle staut Seide keine Hitze — sie passt sich an, kühlt, wenn es warm ist, und hält eine sanfte Wärmeschicht, wenn es nicht warm ist. Wenn Sommerstricken Ihre Saison ist, zeigt der Summer-Yarn-Guide, welche Fasern neben Seide bei warmen Projekten funktionieren.

Maulbeerseide, Tussah, Bourette, Eri: vier Arten von Seide

Nicht jede Seide ist dasselbe Garn. Maulbeerseide ist die Klassikerin: Kokons gezüchteter Seidenspinner, die ausschließlich Maulbeerblätter fressen, abgehaspelt zu langen, gleichmäßigen, glänzenden Fasern — die feinste und glatteste Seide. Tussah-Seide (Wildseide) stammt von wilden eichenfressenden Spinnern, die in der Natur leben und spinnen. Ihre Faser ist etwas gröber, von Natur aus creme- bis honigfarben, matt mit stillem Schimmer — und weil die Motte den Kokon vor der Ernte verlässt, gilt Tussah als Friedensseide. Bourette-Seide ist die ehrliche Upcycling-Geschichte der Familie: Sie wird aus den Kokonresten gesponnen, die nach dem Abhaspeln der langen Maulbeerfasern übrig bleiben. Kurze Fasern, kleine Unregelmäßigkeiten, hier und da ein Noppe — matt, strukturiert und reich an Sericin, dem natürlichen Seidenleim, der traditionell als hautfreundlich bei empfindlicher Haut geschätzt wird (sein zarter Geruch verschwindet nach wenigen Wäschen). Eri-Seide, die seltenste der vier, stammt von maniokfressenden Eri-Spinnern; wie Tussah eine Friedensseide, mit weichem, fast wolligem Charakter statt Glanz.

Zwei reine Seidengarne zum Anfassen

BC Garn Soft Silk ist 100% Bourette-Seide in ihrer sympathischsten Form: fingering-Stärke, 350 m auf dem 100-g-Strang, gestrickt auf 3–3,5 mm. Auf den ersten Blick wirkt sie wie Leinen — matt, ein wenig rustikal, mit sanften flammenartigen Verdickungen —, strickt sich aber weich und wird mit jeder Wäsche weicher. Als Allwettergarn passt sie zu Sommertops wie zu Übergangsjacken, und ihre Naturfarben geben eine ruhige, pflanzlich getönte Palette.

BC Garn Tussah Tweed nimmt wilde Tussah-Seide und fügt die klassische Tweednoppe hinzu: kleine Farbpunkte, verteilt über eine natürliche Basis. Ein light-fingering-Garn, 250 m auf 50 g, auf 2,5–3 mm, mit einer Maschenprobe von etwa 24–32 Maschen auf 10 cm. Frisch vom Strang fühlt es sich fest an — typisch Tussah — und wird nach der ersten Handwäsche spürbar weicher. Dank der Stabilität der Seide ist diese Linie bei Maschinenstrickerinnen und Webern genauso beliebt.

Seide in Blends: die stille Luxuskarte

In Mischungen spielt Seide die Nebenrolle, die das ganze Ensemble zum Klingen bringt: Sie gibt weichen Fasern Festigkeit und Glanz und hält den Fall geschmeidig. Ein schönes Beispiel ist Kremke TRILOGY: 54% Babyalpaka (21–23 Mikron) mit 22% Super-Kid-Mohair um einen Kern aus 24% feiner Maulbeerseide, bei großzügigen 800 m auf 100 g. Geliefert wird es ungefärbt, naturweiß — gemacht für Handfärber, aber auch pur gestrickt ein Gedicht. Die berühmteste Seide-Partnerschaft überhaupt ist Mohair-Seide: der Mohair-und-Mohair-Seide-Guide stellt diese Garne ausführlich vor.

BC Garn Soft Silk Garn

BC Garn Soft Silk
100% Bourette-Seide · 350 m / 100 g · 3-3,5 mm

BC Garn Tussah Tweed Garn

BC Garn Tussah Tweed
100% Tussah-Seide mit Tweed-Neps · 250 m / 50 g · 2,5-3 mm

Kremke 01053267-undyed

Kremke TRILOGY
54% Babyalpaka, 24% Seide, 22% Mohair · 800 m / 100 g · ungefärbt

Pflege von Seidengarn

Seide möchte sanft behandelt werden: Handwäsche in kaltem Wasser mit milder Seife, liegend trocknen, bei Bedarf auf niedriger Stufe bügeln. Naturgefärbte Bourette-Seide kann im ersten Bad etwas Farbe abgeben — das ist überschüssige Farbe, kein Verblassen. Das Banderol hat immer das letzte Wort.

Drei Garne für den Anfang

  • BC Garn Soft Silk: 100% Bourette-Seide, 350 m / 100 g, Nadelstärke 3–3,5 mm, pflanzlich getönte Naturfarben.
  • BC Garn Tussah Tweed: 100% Tussah-Seide mit Tweednoppen, 250 m / 50 g, Nadelstärke 2,5–3 mm.
  • Kremke TRILOGY: 54% Babyalpaka, 24% Maulbeerseide, 22% Super-Kid-Mohair, 800 m / 100 g, ungefärbt.

Das passende Seidengarn nicht gefunden? Unser Ersatz-Garn-Finder schlägt Alternativen nach Zusammensetzung und Lauflänge vor.